Ich habe immer gesagt "
Sobald jemand den Raum verlässt, muß ihm klar sein, daß über ihn gesprochen wird."Seit ich gemerkt habe wie interessant BigBrother saus psychologischer Sicht ist, interssiert mich in diesem Bezug kaum etwas mehr als die Natur des Lästerns.
Schon der übermäßige Gebrauch des Worts "lästern" fällt auf: Lästern ist doch eigentlich "sich abfälliges Äußern über Dritte in deren Abwesenheit". Da fängt es schon an. Es gibt diesen Spruch "Wir lästern nicht, wir stellen fest". Also wo hört "sich über jemanden unterhalten" auf und wo fängt "lästern" an? Kann man auch schlechte Eigenschaften an jemandem "feststellen" ohne zu "lästern"?
Mein Theorie ist, daß
lästern einhergeht mit Unsympathie. Man kann über jeden lästern, bei Freunden tut man es jedoch nicht, es sei denn er fällt irgendwann in Ungnade (auch super zu sehen bei BigBrother). Vielleicht ist der einzige Unterscheid zwischen "feststellen negativer Eigenschaften eines Dritten" und "lästern" bestimmt durch die Zu- oder Abneigung des sich Unterhaltenden zu dem "Zielobjekt".
Doch warum lästern wir?Meiner Meinung nach geschieht Lästern (im Gegensatz zu Intrigen spinnen) ohne den bewußten Willen dem "Opfer" zu schaden. Ich denke im Vordergrund steht die Kommunikation mit dem Mitlästerer. Der Austausch von "sensationellen" oder "dramatischen" Nachrichten bindet und ist symphatiefördernd solange man auf der gleichen Seite steht ("dramatische" Themen binden mehr denke ich). Ich denke es geht einfach um Verstärkung der Bindung zum Gesprächspartner. Bei dem PC Spiel "Die Sims" würden beim Lästern sozusagen grüne Pluspunkte über den Köpfen der Gesprächspartner aufleuchten.
Übertreibungen gehören leider ebenso dazu wie gemeinsames herspinnen und konfabulieren falscher Tatsachen. Trotzdem: Im Zentrum des Interesses steht nicht der Schaden des Dritten, glaube ich.
Ein Nebenprodukt ist sicherlich auch die
Verbesserung des Selbstwertgefühls wenn man die negativen Seiten anderer Leute herauspickt. Hierbei zu beachten sind grundsätzliche Weisheiten wie: Was jemand an anderen am stärksten bemängelt wollen sie wahrscheinlich an sich selbst nicht wahrhaben.
Sehr interessant finde ich, daß
Aussprachen zwischen Lästerern und Opfern praktisch IMMER zu besserer Stimmung und einer positiven Lösung des Konflikts durch Aufklärung von Mißverständnissen und Darlegung von Gefühlen führt.Doch praktisch kaum jemand geht diesen Schritt wenn er Probleme mit jemandem hat. Der erste Weg ist für die meisten der Weg zu anderen Vertrauten.
Ich denke das ist so weil es zwei völlig unterschiedliche Vorgänge sind:
1. Lästern zur Verbesserung der sozialen Bindung und Verbesserung des Selbstwertgefühls.2. echte Problembewältigung (die leider oft schon schwer genug ist). Das erste ist also Vergnügen während das dritte Überwindung kostet.
Ich versuche die ganze Zeit etwas daraus für mich persönlich zu lernen; am besten wäre es Gesprächsthemen vorzuziehen die sich nicht negativ auf andere beziehen. Und eine nun frühere Aussprache direkt mit den betroffenen Leuten in Problemfällen.
Ach ja: Und ganz wichtig ist es mit einem Dritten eigene Erfahrungen zu sammeln. Es gibt inzwischen einige Menschen mit denen ich gut klar komme obwohl ich viel Schlechtes über sie gehört habe; solange ich diese Erfahrungen nicht teilen kann ... also hört niemals auf Informationen aus 2.Hand.
Ich glaube ich bin fertig. Weitere Anregungen zum Thema fände ich toll
