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Autor Thema: Gottesdienst: Mitten-im-Leben  (Gelesen 3224 mal)
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« am: 20. Jan 2009, 15:46 »

Wie bereits an anderer Stelle berichtet, gibt es bei uns eine relativ neuen Gottesdienstform "Mitten-im-Leben" (Gemeindemitglieder für Gemeindemitglieder). Seit 2007 bin ich in der Projektgruppe dabei.

Nun was zur "Genese", dieses Gottesdienstes: Weil die regulären Gottesdienste meistens ältere Leute ansprechen, und bei uns im Ort seit Längerem jährlich mehrere Jugendgottesdienste stattfanden (wo Rap und Rock usw. Musik spielt) fehlte es lange Zeit an einer Gottesdienstform, die das "Mittelalter" ansprach. Ich sage mal die Leute von 30-50.

Der Pfarrer unserer Gemeinde startete dann 2006 einen Aufruf und suchte Leute mittleren Alters, die Lust hätten das Wort Gottes selber zu verkünden. Daraufhin bildete sich eine Projektgruppe (8-10 Personen... schwankt etwas, weil mal neue dazukommen, andere wieder nicht dabei sein können). Diese organisiert 2-3 Mal im Jahr einen Sonntag-Abend-Gottesdienst mit Themen, die die Leute interessieren. zB. Glauben, Tod, Danken, Liebe, Burnout. Wir legen zum sammeln der Ideen immer Zettel aus, dann nehmen wir für die nächsten GD die besten Vorschläge.

Zum Planen treffen wir uns ca. 1-2 Monate vor dem Gottesdienst und dann wöchentlich und jeder bringt seine Ideen und Vorschläge mit, bis das ganze dann den richtigen Rahmen hat. Jeder darf sich frei einbringen. Es werden natürlich passende Bibelstellen dazugenommen. Es ist alles sehr locker, aber die Gottesdienstordung wird eingehalten.  Das Ganze wird mit vielen optischen und akustischen Untermalungen ausgestaltet. Im Großen und Ganzen ist es meistens ein kurzweiliger interessanter Gottesdienst, der sehr viel Zulauf erfährt.

Anschließend an den Gottesdienst laden wir alle Besucher zu einem gemütlichen Beisammensein bei Chips, Nüßchen, Bier, Tee, Limo usw. im Gemeindehaus ein. Auch das wird sehr angenommen.  gut gemacht

Bisher fanden Gottestdienste zu den Themen statt: Glauben, Leben, Tod, Danke, Liebe und Burnout.

Mittlerweile haben wir mit den Vorbereitungen zum nächsten GD am 15. März 2009 begonnen. Thema: Schuld und Vergebung. Seitdem beschäftige ich mich ganz intensiv mit diesem Thema.

Hat jemand Lust mit mir hier darüber zu diskutieren?  unter die Lupe nehmen
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« Antworten #1 am: 20. Jan 2009, 17:49 »

 winken

Wir haben uns ja schon einmal über euren Gottesdienst unterhalten. In meiner früheren Gemeinde gab es diese Gottesdienste als "Akzente"-Gottesdienste, hier bei mir im Ort als "Oase"-Gottesdienst. Darum ist es mir nicht ganz unbekannt Wink

Für was bist du denn diesmal "verantwortlich" oder in welche Richtung möchtest du mit deinen Überlegungen gehen?
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« Antworten #2 am: 20. Jan 2009, 18:40 »

Das hört sich echt interessant an.  Freundliches Lächeln

Willst du über Schuld und Vergebung diskutieren oder über all Eure Themen?
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« Antworten #3 am: 20. Jan 2009, 20:03 »

Ich nehme an über "Schuld und Vergebung", die anderen Themen hat sie ja schon ziemlich ausführlich in den bisherigen Gottesdiensten "besprochen".
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« Antworten #4 am: 21. Jan 2009, 00:30 »

@Powerman, wollte über Schuld und Vergebung diskutieren.

@Powergirl, macht dann die Gemeinde bei "Akzente" und "Oase" auch mit, oder ist das dann ein Gottesdienst, den nur der Pfarrer abhält.

Habe bereits gegoogelt und sehr Interessantes zu "Schuld und Vergebung" gefunden. Nur weiß ich noch nicht genau, was diesmal mein Part sein wird und wie der Gottesdienst überhaupt abläuft.

Wir hatten, bei unserem ersten Treffen  nur mal grob über das Thema diskutiert. zB. Was ist Schuld? Wann ist man schuldig? Ist man, wenn man "schuldunfähig" ist, nicht schuldig? Der Pfarrer macht dann jedesmal dazu Notizen und fasst das, dann ähnlich eines Protokolls, zusammen. Dieses läßt er uns dann rechtzeitig, vor dem nächsten Treffen zukommen. Habe diesmal noch keine Email erhalten, das nächste Treffen ist auch erst am 5. Februar.

Wir stellten fest,  dass jeder mit Schuld unterschiedlich umgeht. Manche sind sehr schnell bereit zu sagen: ER WAR´S! Andere wieder geben sich immer selber die Schuld an allem was um sie herum passiert. Auch wird nicht mehr um Vergebung gebeten. Der Trend geht einfach hin zum "OOOPS".  Confused Damit versucht man das Versehen schönzureden, das Passierte zu bagatellisieren. Egal um was es geht, ob es ein Glas umwerfen ist, ein Verkehrsunfall, oder auch ein Mord. Oft ist der Verursacher des Geschehens irgendwie unschuldig, weil es ein Versehen war, oder dann einer schuldunfähig ist. Wer ist berechtigt, jemanden schuldig zu sprechen. "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie." Johannes 8,7. Aus diesem Gesichtspunkt betrachtet , darf ja dann echt keiner unter uns einen anderen beschuldigen. Mache ich mich bereits schuldig, wenn ich jemanden beschuldige?

Es ist allgemein schwer "Entschuldigung" zu sagen. Es kommt allmählich aus der Mode. Die Menschen, aber vor allem die Kinder und Jugendlichen sind immer weniger bereit "Entschuldigung" zu sagen. Mal ein schnelles "Sorry", das dann auch nur eine Floskel ist. Aber so richtig bewußt geht man nicht mehr mit Schuld um. Früher tat man vor der Beichte Abbitte, man entschuldigte sich bei Menschen, denen man Unrecht getan hatte. Heute denkt man nicht  mal daran, vor einer Beichte mit anschließendem Abendmahl etwas zwischenmenschlich zu klären. Man  bringt seine Vergehen in der Stille vor Gott. Der soll dann tun damit, was er will. Dann empfängt man seine Vergebung, das Abendmahl und ist somit bereit, dort weiter zu machen, wo man aufgehört hat. Das ist bei Christen so. Wie ist es aber bei Ungläubigen? Richtet der Anwalt dort alles?

Dann sprachen wir über Vergebung. Hier gingen die Meinungen sehr auseinander. Manche können schnell verzeihn, anderen wieder nicht. Eine Frau von der Projektgruppe erzählte die Geschichte zweier Nachbarinnen von ihr. Die Eine hatte das einjährige Kind der Anderen beim Rückwärtsfahren mit dem Auto totgefahren. Die Mutter des toten Kindes hätte die Unfallverursacherin getröstet und ihr sofort verziehen.

Eine andere Dame aus der Projektgruppe behauptete, ihr sei so was Schlimmes passiert, sie könne nieeeeeee vergeben. Auf meine Aussage, dass sie aber, als Christin vor Gott im Vaterunser genau dasselbe immer verspricht "wie auch wir vergeben unseren Schuldigern", war sie nicht gefasst. Sie hatte über das noch nie nachgedacht. Wir stellten fest, dass eventuell die Zeit noch nicht gekommen sei, für eben diese besagte Vergebung.

Insgesamt stelle ich für mich fest, dass ich der Typ Mensch bin, der jedem schnell vergeben kann. Ich vergab sogar der einen Internetbekanntschaft, die vorgab Prostituierte zu sein und dann fast mein Leben ruinierte, weil ich ihr "half". Gut, ich denke noch manchmal daran, aber eher mitleidig, nicht hasserfüllt. Bin zu allen anderen Menschen immer sehr tolerant, ausser zu mir. Ich kann mir nur sehr schlecht was verzeihn. (Das ist ein Charakterzug von sehr vielen Menschen, die dieselbe Krankheit-MS haben, wie ich.) Ich stelle zu große Anforderungen an mich. Ich sollte an dieser Stelle an mir arbeiten und auch mal mit mir Gnade walten lassen.

Bin richtig gespannt, wie sich das Ganze noch entwickelt und was für Ideen, die anderen dann beim nächsten Mal mitbringen. Aber vor Allem bin ich gespannt auf die Anregungen, die ich von euch bekomme.  Wink
« Letzte Änderung: 21. Jan 2009, 01:42 von Cherie » Gespeichert

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« Antworten #5 am: 22. Jan 2009, 09:51 »

Schuld und Vergebung

Was ist Schuld? Wann habe ich Schuld?

Was gibt es zu vergeben?

Wem vergehe ich und wem nicht?
Und vor allem, warum kann man das ein oder andere nicht vergeben?

Ist es Personenabhängig?
Liegt es an der Gesamtsituation?

Vergebe ich einen Menschen, den ich liebe viel eher?

Ich denke man an einen Autounfall:

Beispiel 1:
Ein Unfall passiert, weil etwas Unvorhersehbares, wie zum Beispiel ein Reifenplatzer dazu führt, dass das Auto von der Fahrbahn abkommt und dabei auch noch eine andere Person in Mitleidenschaft gezogen wird. Aber, die Reifen sind neu, denn das Auto wurde vor 4 Wochen Fabrikneu gekauft. Der Reifenplatzer ist dadurch passiert, weil ein scharfer Gegenstand auf der Strasse lag, der von weitem einfach nicht zu sehen war, und der Fahrer des PKW nicht ausweichen konnte.

Wer ist nun Schuld?
Der Fahrer?
Das Auto?

Wer vergibt wenn?
Gibt es überhaut was zu vergeben oder ist da im Leben „einfach“ eine höhere Gewalt zuständig?
Hat Gott uns diese Prüfung“ auferlegt?

Beispiel 2:
Jetzt möchte ich aber den Autounfall noch mal aus einer anderen Perspektive bestrahlen.
Dieses Mal ist es ein altes Auto, der TÜV ist seit 2 Monaten überfällig und die Reifen sind schon sehr alt und porös, wodurch der Reifen geplatzt ist und der Unfall sich ereignet hat.. Der Fahrer ist zudem noch stark alkoholisiert. Hier sieht die Situation doch ganz anders aus, oder? Hier wird dem Fahrer wohl eher nicht vergeben, oder doch? Und wer ist Schuld am Unfall? Gott oder der Fahrer?

Beispiel 3:
In diesem Fall ist das Auto auch Fabrikneu, der Fahrer hat gerade einen Herzanfall erlitten und ist dadurch von der Fahrbahn gekommen und der Unfall mit Personenschaden hat sich ereignet.
Auch hier wird sicherlich dem Fahrer vergeben werden,oder?








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« Antworten #6 am: 22. Jan 2009, 11:41 »

Zitat
Eine Frau von der Projektgruppe erzählte die Geschichte zweier Nachbarinnen von ihr. Die Eine hatte das einjährige Kind der Anderen beim Rückwärtsfahren mit dem Auto totgefahren. Die Mutter des toten Kindes hätte die Unfallverursacherin getröstet und ihr sofort verziehen.

@Cherie das ist schon ein krasses beispiel,aber es ist wirklich krass das die Mutter des Toten Kindes,die Unfallverursacherin getröstet hat,boahh das kann ich mir gar nicht vorstellen. Confused Verzeihen ist eine andere sache!

Was macht das 1 jährige Kind überhaupt hinter dem Auto,wo war die Mutter?Also da ist vielleicht die Mutter "schuld" weil sie nicht richtig aufgepasst hat?  Confused 

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« Antworten #7 am: 23. Jan 2009, 00:19 »

@Powermann, Danke für deinen Beitrag.

Es ist sicherlich eine Frage der Verantwortungsbereitschaft der Schuldigern, in den von dir genannten Fällen.

Wenn man "vorsorgt", trifft einen weniger Schuld. Das ist laut irdischem Gesetz so. Wenn man aber nicht vorgesorgt hat und man laut Gericht zur Verantwortung gezogen wird, ist das ja mit dem Schuldzuspruch und mit der Abgeltung der Strafe noch nicht zu Ende. Dann hat man ja immer noch das Schuldgefühl, das einem schwer auf den Schultern liegt.

Wenn dann die anderen Privatpersonen, die zu Schaden kamen einem nicht verzeihn, ist es für die Betroffenen hart, das zu verarbeiten. Auch wenn man sozusagen Schuld ist, so ist es sicherlich irgendwo gut, eine höhere Instanz um Vergebung zu bitten.

Ich denke, es macht schon einen Riesenunterschied, ob Menschen vorsätzlich, fahrlässig oder im Affekt eine Schuld auf sich laden.


@Kristina, soviel die Dame berichtete, war die Mutter wohl in der Nähe. Die Unfallverursacherin hatte ihre eigenen Kinder und das große Kind von der Familie vom Kindergarten mitgebracht und hatte sich noch mit der Mutter unterhalten. Diese dachte dann, ihr Kleines sei mit dem Kindergartenkind reingelaufen. Dem war nicht so, das hatte sich hinter das Auto hingesetzt. Keiner hatte es dort sehen können. Als die Frau rückwärts aus der Einfahrt rausfahren wollte, spürte sie das Hindernis, aber leider zu spät.  Confused  Crying
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« Antworten #8 am: 23. Jan 2009, 00:36 »

Oh gott das ist wirklich sehr traurig. Crying Aber trotzdem finde ich es komisch, das die Mutter ihr Kind dort nicht sitzen saß.Und grad wenn das Kind so klein ist,guckt man doppelt und dreifach nach dem Kind.Aber naja kannst es ja nicht rückgängig machen-leider. Sad

Und war die Unfallverursacherin auch auf der Beerdigung?Weißt du das?
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« Antworten #9 am: 23. Jan 2009, 00:50 »

@Kristina, das weiß ich natürlich nicht. Der Fall liegt schon einige Jahre zurück. Wenn sich die Mütter aber so nahe standen, dass sie die Kinder vom Kindergarten holten, so kann ich mir vorstellen, dass sie auch auf der Beerdigung war.  Sad
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« Antworten #10 am: 23. Jan 2009, 21:38 »

Wir stellten fest, dass eventuell die Zeit noch nicht gekommen sei, für eben diese besagte Vergebung.
Zeit oder Beschäftigung und folgende Einsicht ist sicher ein Schlüssel.
Es ist einfacher zu verzeihen, wenn man um die Vorraussetzungen unter denen der "Schuldige" handelte, weiß.

Ein Beispiel von mir wäre ...
Ein Mitschüler schlug mich in der ersten oder zweiten Klasse  kopfschüttel
Er war sehr agressiv.

Nach der Schulzeit traf ich ihn bei einem Amateurfunkertreff, und mein Vater kannte ihn, er hatte sehr guten Kontakt zu ihm.
Mit meinem Vater hatte ich eh wegen meiner Kindheit noch nicht abschließen können seinerzeit.

Also hasste ich beide. Den kindlichen Schläger (als da schon Erwachsenen), und meinen Vater, dem derjenige lieber zu sein schien der mich schlug, als sein eigener Sohn.

Ich konnte das damals nicht wirklich gut vertragen.

Nun, viele Jahre später ..., mit dem Wissen, dass mein Vater sicher alles andere als perfekt war, aber selber in jahrelanger seelischer Not, und mit dem Wissen, dass der damals kleine Junge wohl eine sehr schwierige Kindheit hatte, tia ...

Was soll ich ihnen vorwerfen?
Klar haderte ich mit meinem Schicksal (tu es auch wohl noch immer iwie), aber die beiden haben sich nun schon geändert.
Was war, dass war. Niemand kann es mehr ändern, und wer hatte nun Schuld?
Diejenigen (der Bursche, mein Vater), dass Schicksal, Gott, die Umstände?
Wohl ein Zusammenspiel aus diesen Komponenten, und dazu noch mein eigenes Wirken (vielleicht als typisches Opfer).

Wenn ich aber nie verzeihen kann, tut es mir nur weiterhin weh.
Besser wäre es, mit Dingen die hinter uns haben abschließen zu können.
Besser für uns selber.
Damit wir nicht immer mehr vergramen.
Der Außenwelt nicht voreingenommen und oft agressiv zu begegnen, denn dass macht uns unser Leben ja auch nur schwer.

Diesen Gedankenprozess habe ich übrigens durch Cherie aufgenommen und kann seither manches etwas gelassener einordnen  Wink


Mit Nichtverzeihen können schaden wir uns nur selber auf dauer.

Um verzeihen zu können sollte man auch die anderen Protagonisten von mehreren Seiten beleuchten, und sich fragen: Was hätte ich in der Lebenssituation tun können, hätte ich es nicht vielleicht genauso gemacht, wenn ... ?


Öhm, so  kopfkratz Smile
« Letzte Änderung: 23. Jan 2009, 21:40 von Krebsi » Gespeichert

Leute! Es ist Evolution!


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« Antworten #11 am: 23. Jan 2009, 21:54 »

Puuuuh, sehr sehr schöne Auslegung von Schuld und Vergebung. Danke für dein persönliches Beispiel. Ich bin froh, dass du heute so darüber denkst, bzw. schreibst.  Wink
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« Antworten #12 am: 05. Feb 2009, 18:18 »

Heute treffen wir uns zum zweiten mal. Mal gucken, was die anderen so vorbereitet haben. Ich habe mich mit dem Thema ziemlich intensiv beschäftigt.  Wink
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« Antworten #13 am: 30. Dez 2010, 17:48 »

An Silvester um 17 Uhr werden wir wieder einen Gottesdienst aus der Reihe Mittern-im-Leben abhalten. Im April und im Oktober hatten wir auch bereits jeweils einen.

Diesmal haben wir das Thema: "Jedes Ende ich auch ein neuer Anfang.

Hier mal der Ablauf:
Ich soll diesmal über meine eigene Krankheit erzählen und wie ich damit klar komme. Hier mal mein Beitrag:


Und zum Ausgang spricht jeder dann einen passenden Segensspruch.
Meiner lautet: "Herr sei mit deinem Segen bei den Krankenschwestern, Pflegern und Ärzten.
Gib ihnen die Kraft für ihre helfende Arbeit."

Nach dem Gottedienst gehen wir zu Freunden Raclette machen und dann abfeiern.  feiern tanzt
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« Antworten #14 am: 01. Jan 2011, 22:58 »

"Mein" Gottesdienst gestern war ein voller Erfolg.  gut gemacht Ich wusste nicht, ob alles so klappt wie ich es mir vorstelle, aber meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Mein Beitrag wurde sehr gut aufgenommen und war sozusagen das Authentischste des Gottesdienstes. Danach kamen ganz viele, auch fremde Menschen auf mich zu, nahmen mich in den Arm und bedankten sich für meine Worte. Cool Ich bin sehr zufrieden und abgeklärt ins Neue Jahr gehen können.  Freundliches Lächeln
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« Antworten #15 am: 02. Jan 2011, 11:19 »

Ich habe bisher das Thema gar nicht angeklickt, denn Gottesdienst gehört nicht zu meinem Leben dazu und kann dazu deshalb kaum etwas sinnvolles beisteuern  Smile Aber aus Neugier dachte ich, ein kurzer Klick, worum es geht.  Smile

Ich habe mir Deine Rede heraus gepickt und finde sie toll. Ich finde, dass ein Gottesdienst nur dann interessant ist und in den Köpfen hängen bleibt, wenn man dort was authentisches mitbekommt. Das geschah damals äußerst selten für meinen Geschmack. Keine Ahnung, wie oft es heute vorkommt - war seit vielen Jahren in keiner Messe gewesen.
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Wer nicht zufrieden ist mit dem, was er hat, der wäre auch nicht zufrieden mit dem, was er haben möchte. Berthold Auerbach

Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin, dass du dein Leben ändern kannst, indem du deine Geisteshaltung änderst. Albert Schweitzer
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« Antworten #16 am: 02. Jan 2011, 19:46 »

Ich weiß zwar nicht was in katholischen Gottesdiensten so abläuft, aber in den evangelischen ist es mittlerweile sehr interessant und vielfältig. Es werden sehr tolle und realitätsbezogene Predigten gehalten, die einem sehr lange in Erinnerung bleiben.  gut gemacht
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« Antworten #17 am: 17. Feb 2011, 12:32 »

Hallo,
 war schon ewig nicht mehr in der Kirche.
Obwohl ich früher Messdiener war bin ich der ganzen Geschichte irgendwann überdrüssig geworden und Kirche hat mich nicht mehr interessiert, obwohl ich an Gott glaube und auch jeden Morgen und Abend bete.
Aber diese Art einen Gottesdienst abzuhalten finde ich eine sehr schöne Idee. Überlege ob ich auch so etwas organisieren kann bzw. ob es hier in der Gegend so etwas gibt.

Vielen Dank erstmal für die Idee
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« Antworten #18 am: 17. Feb 2011, 21:44 »

Bitte sehr Krabbo.  Wink  Freundliches Lächeln
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« Antworten #19 am: 17. Feb 2011, 23:06 »

Mh, hab mal ein bischen hier gelesen. Ich steuere mal meine wahrscheinlich eher wieder ungewöhnlichen Gedanken bei.

Ich setze mal von hinten und möglichst allgemein an:

Wenn etwas geschehen ist bei dem jemand zu schaden kam, so finde ich es immens wichtig zu unterscheiden ob es ein Versehen war oder Absicht.

Bei Absicht gibt es einen Schuldigen und Vergebung ist hier absolut individuell.

Was mich eher beschäftigt ist die Variante eines Versehens, die zu einem Unfall führen. Egal ob es ein kleiner Kratzer am Auto ist oder den Tod von jemandem verursacht; und egal ob es "nicht zu verhindern war" oder aus Unachtsamkeit geschieht: Ich sage dann: Passiert ist passiert. Egal ob ich mich nun aufrege oder ruhig bleibe, es wird nichts mehr ändern; ich nehme das Schicksal an. Ich merke immer wieder dass das eine sehr ungewöhnliche Einstellung ist denn normalerweise gilt: Umso größer der Schaden oder Verlust, desto mehr möchten Leute anderen Leuten die Schuld geben. Es muss ein Schuldiger her !
Ich finde es zum Kopfschütteln wie penetrant, zeitraubend und kostenaufwändig bei öffentlichen Fällen nach einem Schuldigen gesucht wird, nur um jemanden anklagen zu können. Es gibt genug Fälle bei denen es keine individuelle Schuld gibt, dann treten irgendwelche Leute zurück oder ähnliches. Sowas ist abstrakt, überflüssig, bescheuert.
Und befriedigt es irgendwen?
Kann man sagen dass man einen Schuldigen sucht um sich rächen zu können? Ist jede Strafe eigentlich Rache?

Wenn ich es mir recht überlege macht die Öffentlichkeit garkeinen Unterschied zwischen Absicht und Versehen. Ist das nur eine Sache der Medien? Ich mache da schon einen Unterschied.

Selbst bei dem Fall mit der Frau, die beim rückwarts fahren ein Kind tötet. Es war ja keine Absicht. Unachtsamkeit, ja, aber sowas passiert jedem von uns. Man ist nicht immer zu 100% konzentriert und sorgfältig. Und manchmal passieren dadurch kleine oder große Unfälle. Ich finde das ist eben so.
Klar ist der Verlust gross, aber ich finde es falsch seine Wut nur um des Ablassens Willen auf den Verursacher zu lenken.


Seltsamerweise gilt die Regel, dass etwas nicht rückgängig zu machen ist ja auch für absichtliche Taten. Hier soll eine Strafe jedoch verhindern dass der Verursacher so etwas nicht noch einmal absichtlich macht. Bei Absicht bin ich persönlich auch sehr nachtragend; eine angemessene Strafe/Rache erledigt das dann tatsächlich für mich. Vergebung "einfach so" ... schwierig für mich; vielleicht wenn ich die Chance habe die genauen Beweggründe zu erfahren und zu verstehen.

Bei einem Versehen übernimmt diese Strafe (hoffentlich) der automatische Lerneffekt. Normalerweise achtet man in ähnlichen Situationen ja umso empfindlicher darauf, dass sich eine Sache nicht widerholt.


Wenn ich etwas falsch mache, mag ich mir keinen Vortrag darüber anhören was warum passiert ist und dass man das hätte doch verhindern können. Ich sage dann meist: "Wenn, hätte, könnte ... es ist passiert und mir ist der Fehler auch ohne Vortrag bewusst." Es ist logisch dass ich beim nächsten Mal etwas anders mache, oder halt beim übernächsten Mal. Ich ärgere mich dann schon genug über mich selbst, auch wenn man es mir nicht anmerkt, das reicht völlig.
« Letzte Änderung: 17. Feb 2011, 23:10 von Lunas Zäpfle » Gespeichert

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« Antworten #20 am: 18. Feb 2011, 00:09 »

Sehr gute Aufarbeitung des Themas. Ich finde deinen Beitrag toll. gut gemacht

Zitat
Bei Absicht bin ich persönlich auch sehr nachtragend; eine angemessene Strafe/Rache erledigt das dann tatsächlich für mich. Vergebung "einfach so" ... schwierig für mich; vielleicht wenn ich die Chance habe die genauen Beweggründe zu erfahren und zu verstehen.

Vergebung kostet Überwindung. Es ist kein angenehmes Gefühl, so als wenn man einen Teil von sich selber hergeben muss. Die verletzte Seele kämpft mit diesem Gefühl der Wut und teilweise Hass gegen mehr Schaden. Wenn man nun die Beweggründe kennt die einen anderen zu dem Vergehen veranlassten, so ist das auch nicht selbstverständlich, dass man vergeben kann. Bei der einen vom Gottesdienst war es so, dass sie ihrem Mann sein langjähriges Fremdgehen (mittlerweile weiß ich, was das war) nicht verzeihen kann. Er war ihr innigster Vertrauter, jemand dem sie ihr Leben versprochen hatte. Diese Enttäuschung kann und will sie nicht einfach so akzeptieren. Sie ist noch nicht soweit.

Dann nehme wieder mal meinen Fall "Mel Ma". Ich weiß, dass das Mädel bekloppt war. Was soll man da groß erwarten? Eine Strafe von Seiten des Gesetzes wird sie wegen meinem Fall nie bekommen. Ich lehne jeden Kontakt zu ihr aus Selbstschutz ab. Sie ist mir einfach zu unwichtig. Ich schätze, die ist gestraft genug, weil sie Zeit ihres Lebens mit diesen Gefühlen leben muss. Das ist meine Genugtuung. Vielleicht habe ich ihr deshalb auch vergeben. Wink
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« Antworten #21 am: 18. Feb 2011, 00:34 »

Ich weiß nicht ... "Vergebung kostet Überwindung" ...

Man überwindet sich nicht zu vergeben, denke ich. Man überwindet sich höchstens es dem anderen mitzuteilen. Das vergeben an sich ist doch ein zeitlicher Prozess; oder vielleicht in Ausnahmen auch eine plötzliche Erkenntnis.

Mal blöd gesagt: Man überwindet soch ja auch nicht nach Trauer fröhlich zu sein.

Vergebung ist ein Gefühl, es kommt von selbst oder nicht.
Ja, ich glauibe de angesprochene Überwindung bezieht sich auf das persönliche Mitteilen ... was ja in gewiser Weise ein Risiko ist, eine Blöße sein kann.
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« Antworten #22 am: 18. Feb 2011, 00:38 »

So habe ich das noch nie betrachtet. Aber natürlich hast du wieder mal Recht.  eingeschnappt  Razz Das Mitteilen kostet Überwindung.  Wink
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« Antworten #23 am: 19. Feb 2011, 17:50 »

Aber natürlich hast du wieder mal Recht.  eingeschnappt  Razz Das Mitteilen kostet Überwindung.  Wink

Klar wie immer. *hüstel*
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