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Autor Thema: Sind wir nicht alle irgendwie behindert?  (Gelesen 2906 mal)
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Mitglied durch Treffen überprüft thomux
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« am: 16. Aug 2007, 21:32 »

Ein Frage die mich schon seit Jahren immer wieder beschäftigt!

Bei Wikipedia kann man folgendes lesen:
Im bundesdeutschen Recht wird die Behinderung im Sozialgesetzbuch IX (dort: § 2 Abs. 1), so festgelegt: Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist.

Auslöser für meine Gedanken war, als ich einen Gehörlosen in meiner Firma anstellte und dachte "Naja, dass er nichts hört, das macht nichts, wir verständigen uns schon irgendwie." Allerdings musste ich schnell feststellen, dass ausser der Gehörlosigkeit noch weitere Beeinträchtigungen vorhanden waren: Da die Gehörlosigkeit am Anfang der Pubertät eintrat, war der Mann in seiner Entwicklung ziemlich zurückgeblieben, schulisch und auch emotional. Die Zusammenarbeit war also extrem schwierig, weil ich strenggenommen ein gehörloses Kind im Alter von ca. 26 Jahren eingestellt hatte.

Für körperliche Behinderungen gibt es irgendwelche Tabellen (Ein Daumen weg ist ein anderer Behinderungsgrad als ein Ringfinger oder so ähnlich). Aber wie sieht es geistig aus?

Ich bin kurzsichtig (ca. 4 Dioptrien). Wenn ich ins Schwimmbad gehe fühle ich mich behindert. Da ich nicht im Kopfsprung vom 10-Meter-Turm springen kann (wie in meiner Jugendzeit). Und ohne Kontaktlinsen habe ich Mühe, meinen 5-jährigen Sohn zu beaufsichtigen.

Was sind Eure Meinungen/Erfahrungen zum Thema Behinderung?



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Mitglied durch Treffen überprüft andinine
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« Antworten #1 am: 16. Aug 2007, 21:38 »



Ich bin kurzsichtig (ca. 4 Dioptrien). Wenn ich ins Schwimmbad gehe fühle ich mich behindert. Da ich nicht im Kopfsprung vom 10-Meter-Turm springen kann (wie in meiner Jugendzeit). Und ohne Kontaktlinsen habe ich Mühe, meinen 5-jährigen Sohn zu beaufsichtigen.





deswegen fühlst du dich behindert? oder wie hab ich das jetzt zu verstehen? Confused
ich würde mal sagen, dass das mit dem sprung vom brett und das mit den kontaktlinsen mit dem alter zu tun hat. je älter man wird, desto mehr spiegelt sich das auch im körper wieder, man wird "schwacher" und verlernt/verliert dinge, die man früher mal besser konnte Confused
aber mit behinderung hat das doch nichts zu tun?
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« Antworten #2 am: 16. Aug 2007, 21:44 »

Tja, andinine, man sieht sofort, dass bei uns das Wort "Behinderung" gleich einen negativen Touch hat. "Handicap" klingt gleich viel besser. Und gehandicapt bin ich doch wenn ich ohne Sehhilfe meinen Sohn nicht beaufsichtigen kann, oder?

Danke für den Hinweis auf mein Alter.  Wink

Auch hierzu ein Wikipedia-Zitat:

    erworbene Behinderungen:
    - durch perinatale (während der Geburt) entstandene Schäden
    - durch Krankheiten
    - durch körperliche Schädigungen, zum Beispiel Gewalteinwirkung, Unfall
    - durch Alterungsprozesse
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Mitglied durch Treffen überprüft andinine
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« Antworten #3 am: 16. Aug 2007, 21:54 »

 schüchtern tschuldigung thomux, so wars ja gar nicht gemeint ich war's nicht
mein ja nur Confused Smile

durch was hast denn du deine behinderungen erworben? -.-
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« Antworten #4 am: 16. Aug 2007, 22:10 »

durch was hast denn du deine behinderungen erworben? -.-
meine "seh-behinderung" ist wahrscheinlich vererbt, ich trage seit meinem 7. Lebensjahr eine Brille. Meine Augen wurden immer schwächer. Ab Mitte 20 hat sich das aber stabilisiert!

Ich fühle mich nicht wirklich richtig behindert. Es war ein Beispiel um zu zeigen wie schwer es ist eine Grenze zu ziehen (behindert - nicht behindert).

Verstehst?
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« Antworten #5 am: 17. Aug 2007, 09:36 »

Man sagt ja auch "Sehbehinderung" und klar ist man auch behindert, wenn man eine Sehhilfe braucht. Ohne wäre man aufgeschmissen.  Confused
Wenn ich meine Brille nicht parad habe, fühle ich mich auch wie behindert und trage Gläser mit - 3,75.
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« Antworten #6 am: 17. Aug 2007, 09:47 »

Ich trage Gläser bzw. Kontaktlinsen mit -8,0 bzw. -6,0 Dioptrien  Shocked ! Natürlich sehe ich auch ohne Sehhilfe noch was und in bekanntem Terrain ist das kein Problem, aber wenn ich irgendwo fremd bin, da wird's schon schwierig  kopfkratz. Irgendwelche Schilder erkennen? Schlichtweg unmöglich  Confused. Erzähle lieber nicht die peinlichen Geschichten, die mir damit schon passiert sind schüchtern. Von daher habt ihr schon Recht, dass man in gewissem Sinne behindert ist Wink.   
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« Antworten #7 am: 17. Aug 2007, 11:15 »

ok, sehbehinderungen haben wir jetzt besprochen, danke für die tollen beiträge.  winken

wie sieht es aber geistig aus? kann man da überhaupt eine grenze ziehen?

übrigens habe ich mir lange überlegt wie ich den thread nennen soll. vielleicht wäre "ab wann ist man behindert?" besser gewesen  kopfkratz
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« Antworten #8 am: 17. Aug 2007, 15:41 »

ich würde mal sagen, dass das mit dem sprung vom brett und das mit den kontaktlinsen mit dem alter zu tun hat. je älter man wird, desto mehr spiegelt sich das auch im körper wieder, man wird "schwacher" und verlernt/verliert dinge, die man früher mal besser konnte Confused
Jedes Wort ein Stich ins Herz ROFL lacht ROFL
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Wiki spricht bei geistiger Behinderung von einer Herabsetzung der max. erreichbaren Intelligenz. Die Person ist also aufgrund endo- oder exogener Faktoren dümmer als sie normalerweise sein müsste.
http://de.wikipedia.org/wiki/Geistige_Behinderung

Dazu fällt mir als konkretes Beispiel noch der RAF-terrorist Christian Klar ein. Der Mann ist sicher nicht behindert, aber laut Gutachten in seiner geistigen Entwicklung aufgrund fehlender ebenbürtiger Gesprächspartner zurückgeblieben. Die soziale Isolation (z.B.Kaspar Hauser) bzw. ein intelektuell gesehen anspruchsloses Umfeld beeinflussen die geistigen Fähigkeiten, ohne dass die Person von Natur aus dumm sein muss. Das gilt dann aber wohl nicht mehr als "geistige Behinderung", sondern ist einfach Pech.

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« Antworten #9 am: 17. Aug 2007, 16:22 »

ich würde mal sagen, dass das mit dem sprung vom brett und das mit den kontaktlinsen mit dem alter zu tun hat. je älter man wird, desto mehr spiegelt sich das auch im körper wieder, man wird "schwacher" und verlernt/verliert dinge, die man früher mal besser konnte Confused
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iwann erwischt es uns auch Smile
meine mama sagt immer: "die jugend von heute wird es härter treffen wenn sie älter werden". ich will echt nicht wissen, wie ich später mal aussehe und was für macken ich so haben werde =/

ich hab übrigends auch ne brille winken (trage ich aber nur in der schule um vonn atafel abzulesen. oder im kino. wenns dunkel ist Smile )
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« Antworten #10 am: 18. Mär 2008, 02:30 »

"ab wann ist man behindert?"
Habe diesen Thread gerade entdeckt und möchte ihn nun gerne wiederbeleben.

Erstmal zu mir, ich bin seit 1995 laut Versorgungsamt schwerbehindert. Diese Bescheinigung wurde mir wegen eines schweren organischen Nervenleidens (MS) ausgestellt. Erstmal wurde mir ein Grad der Behinderung von 50 mit dem Vermerk G (gehbehindert) attestiert. Das war zu einer Zeit, in der ich gesundheitlich sehr angeschlagen war und sehr massive Gangataxien hatte. 1998 bekam ich zusätzlich Depressionen dazu. Daraufhin wurde mir auf Antrag der GdB auf 60 angehoben, weiterhin mit dem Vermerk G.

Erfahrungsgemäß kann sich bei einer solchen Diagnose das Befinden ein Paarmal im Jahr verändern. Viele Krankenhausaufenthalte mit Cortison-Therapien wurden zu meinen Wegbegleitern. Es wurden immer wieder dieselben Untersuchungen gemacht. Iirgendwelche Nerven-Messungen, um festzustellen, wie stark der jeweilige Schub mir gerade Probleme bereitet. Zur Therapie selber tat das nichts zur Sache. Das war alles nur für die Archivierung meiner Krankenakte. Irgendwann (nach dem 12 stationären Aufenthalt) begann ich die Therapien ambulant zu machen, weil ich einen Krankenhauskoller hatte. Natürlich konnte mein Hausarzt diese genannten Untersuchungen nicht durchführen, aber die Behandlung konnte er mir verabreichen. So ließ ich mich nur noch selten ins KH einweisen, weil ich bemerkte, dass das eigentlich nicht mehr bringt, wie eine ambulante Therapie.

5 Jahre nach der ersten Feststellung musste ich, von Amts wegen, noch eine Befragung über mich ergehen lassen mit dem Ergebnis, dass mein Ausweis für weitere 5 Jahre mit denselben inhaltlichen Daten verlängert wurde.

Nach Ablauf dieser erneuten 5 Jahre bekam ich einfach ein Schreiben vom Amt, dass ich nur noch Anspruch auf 50% hätte und das G mir gestrichen würde. Natürlich habe ich mich gefragt, wieso auf einmal kopfkratz nachdem ich mittlerweile wegen der Krankheit erwerbsunfähig berentet bin.  Confused Einspruch und Aktenkrieg folgte mit dem Argument, dass bei mir die optimalen Basistherapie (Betaferon-Spritzen seit Januar 1996) gemacht würde und sie desweiteren keine nötigen nerologischen Befunde vom KH hätten. Na toll, demnach wurde ich dafür bestraft, dass ich dem guten deutschen Gesundheitssystem Kosten eingespart habe, weil ich die KH Aufenthalte gemieden habe. Mein Hausarzt hat die Häufigkeit der Schübe durchaus vermerkt, ebenfalls deren Schwere, was sich allein schon an der Dosierung des Cortisons erkennen läßt. Das ist für die guten lieben Büroangestellten nicht Beweismaterial genug, um einen Behindertenausweis zu verlängern.  Autsch!

Nun überlege ich schon die ganze Zeit, wann ich denn nun nicht mehr "behindert" wäre, sollte ich mich weiter für krankenhausferne Therapien entscheiden.  kopfkratz würde ich 2011 weitere 10 Prozent verlieren, demzufolge stünde dann 40 % drin, 2016 stünde dann 30 % drinnen, 2021 => 20 %, 2026 => 10 % Und 2031 bin ich dann endlich (nach insgesamt 35 Jahren Krankheit) gesund. Luftsprünge machen

 Surprised  Moment, wieso ist dann meine MS chronisch und unheilbar?   Confused Crying


 kopfkratz Glaube ich beantrage nun einen "geistig-Behinderten-Ausweis.  verrückt Ich bin nicht in der Lage bzw. auf dem Niveau, diese Bürokratie zu verstehen.  Wink Smile
« Letzte Änderung: 18. Mär 2008, 02:34 von Cherie » Gespeichert
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