"ab wann ist man behindert?"
Habe diesen Thread gerade entdeckt und möchte ihn nun gerne wiederbeleben.
Erstmal zu mir, ich bin seit 1995 laut Versorgungsamt schwerbehindert. Diese Bescheinigung wurde mir wegen eines schweren organischen Nervenleidens (MS) ausgestellt. Erstmal wurde mir ein Grad der Behinderung von 50 mit dem Vermerk G (gehbehindert) attestiert. Das war zu einer Zeit, in der ich gesundheitlich sehr angeschlagen war und sehr massive Gangataxien hatte. 1998 bekam ich zusätzlich Depressionen dazu. Daraufhin wurde mir auf Antrag der GdB auf 60 angehoben, weiterhin mit dem Vermerk G.
Erfahrungsgemäß kann sich bei einer solchen Diagnose das Befinden ein Paarmal im Jahr verändern. Viele Krankenhausaufenthalte mit Cortison-Therapien wurden zu meinen Wegbegleitern. Es wurden immer wieder dieselben Untersuchungen gemacht. Iirgendwelche Nerven-Messungen, um festzustellen, wie stark der jeweilige Schub mir gerade Probleme bereitet. Zur Therapie selber tat das nichts zur Sache. Das war alles nur für die Archivierung meiner Krankenakte. Irgendwann (nach dem 12 stationären Aufenthalt) begann ich die Therapien ambulant zu machen, weil ich einen Krankenhauskoller hatte. Natürlich konnte mein Hausarzt diese genannten Untersuchungen nicht durchführen, aber die Behandlung konnte er mir verabreichen. So ließ ich mich nur noch selten ins KH einweisen, weil ich bemerkte, dass das eigentlich nicht mehr bringt, wie eine ambulante Therapie.
5 Jahre nach der ersten Feststellung musste ich, von Amts wegen, noch eine Befragung über mich ergehen lassen mit dem Ergebnis, dass mein Ausweis für weitere 5 Jahre mit denselben inhaltlichen Daten verlängert wurde.
Nach Ablauf dieser erneuten 5 Jahre bekam ich einfach ein Schreiben vom Amt, dass ich nur noch Anspruch auf 50% hätte und das G mir gestrichen würde. Natürlich habe ich mich gefragt, wieso auf einmal

nachdem ich mittlerweile wegen der Krankheit erwerbsunfähig berentet bin.

Einspruch und Aktenkrieg folgte mit dem Argument, dass bei mir die optimalen Basistherapie (Betaferon-Spritzen seit Januar 1996) gemacht würde und sie desweiteren keine nötigen nerologischen Befunde vom KH hätten. Na toll, demnach wurde ich dafür bestraft, dass ich dem guten deutschen Gesundheitssystem Kosten eingespart habe, weil ich die KH Aufenthalte gemieden habe. Mein Hausarzt hat die Häufigkeit der Schübe durchaus vermerkt, ebenfalls deren Schwere, was sich allein schon an der Dosierung des Cortisons erkennen läßt. Das ist für die guten lieben Büroangestellten nicht Beweismaterial genug, um einen Behindertenausweis zu verlängern.

Nun überlege ich schon die ganze Zeit, wann ich denn nun nicht mehr "behindert" wäre, sollte ich mich weiter für krankenhausferne Therapien entscheiden.

würde ich 2011 weitere 10 Prozent verlieren, demzufolge stünde dann 40 % drin, 2016 stünde dann 30 % drinnen, 2021 => 20 %, 2026 => 10 % Und 2031 bin ich dann endlich (nach insgesamt 35 Jahren Krankheit) gesund.

Moment, wieso ist dann meine MS chronisch und unheilbar?

Glaube ich beantrage nun einen "geistig-Behinderten-Ausweis.

Ich bin nicht in der Lage bzw. auf dem Niveau, diese Bürokratie zu verstehen.
