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Autor Thema: Billiy Joel  (Gelesen 940 mal)
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iza
...ist nicht klein, sondern handlich
Labertasche
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« am: 11. Jul 2007, 12:58 »

Eigentlich gehört mein Beitrag hier fast schon gar nicht hin, aber da für Geschichte bei free2talk  bisher noch kein Zimmer frei war und Billy Joel wunderbare Musik macht, poste ich das mal hier.

Ich bin nämlich durch die sensationellen Balladen "Piano man" und "Leningrad" auf Billy Joels Familiengeschichte aufmerksam geworden und die hat es wirklich in sich.
Billy Joel wäre nämlich ohne Adolf Hitler heute Deutscher und würde vielleicht als Versandhändler Wilhelm Joel in Nürnberg seinen Geschäften nachgehen.
Sein Großvater war der jüdische Unternehmer Karl Amson Joel, der sich Ende der 20er/ Anfang der 30er Jahre in Nürnberg ein kleines Textilversandhaus aufgebaut hatte. Nürnberg war für Juden dank Julius Streicher und seiner korrupten Nazi-Kamarilla zur damaligen Zeit aber ein besonders ungünstiger Ort zum Leben. Sogar in Deutschland. Vielleicht kennt jemand das Buch "Der Jude und das Mädchen" von Christiane Kohl, welches vom ersten Todesurteil wegen "Rassenschande" berichtet und dabei sehr genau die Verhältnisse im Nürnberg unter Streicher darstellt.
Deshalb verlegte Joel seine Firma, die mittlerweile zu stattlicher Größe herangewachsen war und in einer Liga mit Schickedanz (=Quelle) spielte, ins rote Berlin (genau gesagt nach Wedding; macht auch heute niemand freiwillig Wink ), was bei der "Arisierung" allerdings auch nur einen Aufschub brachte. Und jetzt kommt, was mich besonders erschrocken hat. Arisierungsgewinner war der allseits geschätzte Josef Neckermann. Der Versandhandel Joel ist eine der wesentlichen Grundlagen "seines" Erfolges. Bezahlt hat er dafür so gut wie nichts und auch nach dem Krieg musste er nur eine lächerliche Entschädigung entrichten. Während zur Nazizeit die Familie Neckerman die Villa der Joels in Charlottenburg bezog, mussten die Joels in Zürich in einer mickrigen Wohnung zusammenrücken. Es existiert aus der damaligen Zeit ein Brief von Joel an Neckermann, in dem dieser seine berechtigten Ansprüche geltend zu machen versucht. Neckermann läd daraufhin Joel ein, sein Anliegen doch in Berlin!!! vorzubringen, was für Joel der sichere Tod gewesen wäre.

Billy Joels Vater kam 1945 wie so viele Emigranten als GI zurück nach Nürnberg. Sein Sohn allerdings wurde schon in Amerika geboren. Nach Nürnberg kam er wohl zum ersten mal mitte der 90er, um vor GIs auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände (wie vor ihm 1976 schon Bob Dylan) zu spielen. Deutsche Zuhörer waren damals nicht zugelassen, was aber sicher keine bewusste Diskriminierung war, da Billy Joel laut eigenen Aussagen mit der Heimat seiner Vorfahren im Reinen zu sein scheint.
2005 wurde zu der ganzen Geschichte eine TV-Dokumentation veröffentlicht, in deren Verlauf es zu einem Treffen der Neckermann-Erben mit Billy Joel kam. Die Neckermanns waren dabei uneinsichtig.

Hier noch ein paar Links zum Thema:
http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Amson_Joel
http://de.wikipedia.org/wiki/Billy_Joel
Und ein Link zu einer Billy Joel Seite, auf der sich unter Archiv ein sehr ausführlicher Rolling Stone Artikel von 1996 findet. Interessant auch für Leute, die nichts mit seiner Musik anfangen können:
http://www.piano-man.de/
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« Antworten #1 am: 11. Jul 2007, 15:39 »

 Surprised Schon wirklich sehr interessant (und fast beschämend).
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